Gestatten, Janis Altherr, B.A.

Frau Anette Schavan hat also einen Platz im Hochschulrat der LMU bekommen. Ein Vorgang, den ich als Student dieser Uni wirklich, nun, kritisch sehe. Und weil Axel Schenzle verlangt, dass sich Leute innerhalb der LMU artikulieren, so sie gegen Schavan im Hochschulrat seien, tue ich das.

Frau Schavan trägt derzeit den Status einer überführten Plagiatorin. Sie musste genau deswegen als Bundesbildungsministerin zurücktreten. Und was sie als Ministerin ungeeignet gemacht hat, soll nun in der Hochschule selbst keine Rolle mehr spielen? Das halte ich zumindest für fragwürdig.

Als Kommunikationswissenschaftler verstehe ich, dass die Uni Düsseldorf bei dem Verfahren mit Schavan unter massivem medialem Druck stand, der sich durchaus auf Entscheidungen auswirken kann. Schavan hat, soweit ich das erkennen kann, nicht unerhebliche Chancen, im laufenden Gerichtsverfahren ihren Titel wiederzubekommen. Und wenn das so sein sollte, spricht nichts mehr gegen sie im Hochschulrat. Mein Problem besteht jedoch vielmehr in der Konsequenz von Präsident Hubers Hochschulpolitik: Ich muss mit jeder kleinen Hausarbeit eidesstattliche Versicherungen abgeben, nicht plagiiert zu haben. Auf der einen Seite werden also alle Studenten unter Generalverdacht gestellt, weil es ja sein könnte, dass sie betrogen haben. Allein, für Schavan gilt: Es kann ja sein, dass sie nicht betrogen hat.

Eine solche Doppelmoral kann ich nicht verstehen. Solange Schavan noch als Plagiatorin gilt, hat sie an der LMU nichts in solch hohen Gremien zu suchen. Hinzu kommt der unangenehme Beigeschmack, dass Schavan als Bundesbildungsministerin daran beteiligt war, der LMU den Exzellenztitel zu verleihen. Ausgerechnet Hubers Lieblingsprojekt. Und mit einer Menge Geld verbunden.

Im Übrigen wird Schavan auf der Seite der Universität trotzig noch mit ihrem Titel geführt. Na dann nennt mich ab heute schon mal B.A. Es könnte ja sein, dass ich den Titel irgendwann tragen darf.

Edit: Da Anette Schavan nicht länger Mitglied im Hochschulrat ist, ist sie auch nicht mehr auf der Webseite der Hochschule aufgeführt. Zu Dokumentationszwecken wurde der Link im letzten Absatz daher auf eine Archivversion der Wayback Machine vom 8. Oktober 2013 geändert.

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